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Beine schütteln und Schnürsenkel

Die Lacets de Montvernier – ein Name wie ein Zungenbrecher, und die Straße dazu ist nicht weniger verrückt. Kaum raus aus Saint-Jean-de-Maurienne, kaum warmgetreten, da beginnt das Karussell: siebzehn Spitzkehren, so dicht gedrängt, als hätte ein gelangweilter Ingenieur das Lineal verloren und stattdessen mit dem Korkenzieher geplant.



Oben raus sind es nicht die Höhenmeter, die weh tun – es ist der ständige Wechsel: raus aus dem Sattel, wieder rein, links, rechts, links, rechts, wie ein Metronom im Delirium. Und jedes Mal denkst du, jetzt ist es die letzte Kehre, nur damit der Berg hämisch noch eine weitere nachschiebt.

Die Tour de France kam natürlich auch schon hier vorbei – 2015 erstmals. Fernsehen hat die Lacets seitdem zu einer Ikone gemacht: ein fahrender Lindwurm von bunten Trikots, der sich wie ein Comic-Schlange durch die Felswand frisst. In echt ist es enger, steiler, näher dran am Abgrund.



Oben steht kein großes Schild, kein Triumphbogen, nur der Abzweig weiter Richtung Col du Chaussy. Aber wenn du dich einmal hochgeschraubt hast, wirst du die Lacets nie wieder vergessen – eine dieser Straßen, die mehr Drama auf fünf Kilometern unterbringen als andere auf einer ganzen Etappe.



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