Col du Mollard – klein im Namen, groß im Leiden
- Gregor Hilbrand
- 24. Sept. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Los geht’s in Saint-Jean-de-Maurienne, dieser unscheinbaren Stadt im Maurienne-Tal, die längst Heiligtum der Tour de France ist. Hier starteten Helden, hier zerbrachen Favoriten, hier riecht jeder Stein nach Epik. Wer hier in die Pedale tritt, fährt nicht einfach los – er reiht sich ein in die Liturgie der Grande Boucle.
Dann der Aufstieg: über 40 Kehren, wie ein endloses Mantra. Die Steigung schmeichelt, gleichmäßig, nie mörderisch. Doch das ist die Falle: sie zieht, sie nagt, und irgendwann fragt man sich, ob die Straße je aufhört, sich am Berg entlangzuwinden.
Oben auf dem Col du Mollard, zuletzt 2015 von der Tour überquert, gibt es keine heroischen Ausblicke, nur das Wissen: geschafft. Ein Pass, der im Hintergrund wirkt, aber seine Opfer zuverlässig einsammelt.
Und dann die Abfahrt. Steil. Schnell. Jede Kurve ein Tanz auf der Rasierklinge, jede Gerade ein Rausch – und immer diese Schlucht neben dir, gierig, als würde sie nur warten, dich zu verschlucken. Man jagt hinunter, geblendet vom Tempo, halb im Triumph, halb im Wahnsinn.
Ein Berg, der keinen Applaus braucht. Er flüstert. Und sein Echo bleibt.
















Kommentare