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Trollstigen - Wind, Berg, Emotion

Startpunkt: Åndalsnes, Norwegen. Frisch, hübsch, harmlos – noch. Doch keine 10 Kilometer später wird klar: Das hier ist keine gemütliche Fjord-Tour. Das ist ein Pilgerweg für Masochisten und Endorphinjunkies.



Die Trollstigen: eine absurde Serpentinenparade mit 11 Haarnadelkurven, so steil, dass man dem eigenen Schweiß beim Bergabfließen zusehen kann. Wasserfälle stürzen neben dir in die Tiefe, während deine Lunge leise um Gnade fleht. Asphalt wie aus einer nordischen Sage – glatt, böse und wunderschön.Wer beim Anblick der in den Fels gemeißelten Serpentinen keinen spontanen Endorphinausbruch erlebt, ist entweder völlig fertig – oder zu sehr mit dem Zählen der Speichen beschäftigt.


Oben? Postkartenpanorama, Reisebus-Kirmes, und ein Kiosk mit Waffeln. Du bist nass, dreckig und am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Perfekt.



Aber war’s das?

Nicht ganz. Wer jetzt noch nicht kotzt oder friert, fährt weiter. Weg von den Touristen, rüber zum Alnesreset-Pass. Der ist nicht böse – aber einsam. Eine stille Schleife ins Nirgendwo, ein letzter Test für den Kopf. Nicht steil, nicht wild, aber mental ein kleiner Haken hinter die Zivilisation. Danach gibt's nur noch Wind, Weite und die Frage, warum man eigentlich nicht einfach am Fjord geblieben ist.

Zurück nach Åndalsnes rollst du wie ein von einem Troll losgetretenen Stein: immer schneller, je näher der Talboden kommt.



Fazit: Trollstigen ist kein Anstieg – das ist ein Charaktertest mit Panoramaschleife. Wer oben ankommt, hat entweder Stahl in den Waden oder eine sehr toxische Beziehung zu sich selbst.


Und wer dann noch den Alnesreset dranhängt, obwohl der Busparkplatz zum Greifen nah war – der fährt nicht Rad. Der flieht vor irgendwas. Aber stilvoll.



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